Kein Betrug, "clevere Lösung"Hannawald: Skisprung-Dominator Prevc nutzt "Lücke im System"

Ein Jahr ist es nun her, dass der Anzugskandal der Norweger die Skisprung-Szene erschüttert. Schärfere Tests führen zu mehr Disqualifikationen- für Ex-Springer Sven Hannawald eine gute Nachricht. Seiner Meinung nach gibt es aber trotzdem Wege, sich einen Vorteil zu verschaffen. Er hat dabei Dominator Domen Prevc im Blick.
Ein Jahr nach dem Anzugskandal sieht Sven Hannawald das Skispringen im Kampf um Glaubwürdigkeit auf einem guten Weg. "Ich merke, dass sich bei vielen Zuschauern etwas verändert", sagte der 51-Jährige bei ran. Gerade bei Disqualifikationen einzelner Athleten hieße es zunehmend: "Okay, es wird wieder strenger. Es wird wieder klarer. Es geht wieder mehr ums Skispringen und weniger um Tricks", so Hannawald.
Dieser Trend sei vor allem ein Verdienst der strengeren Kontrollen. "Mit Kontrollchef Mathias Hafele lässt sich nicht spielen. Jetzt weht ein anderer Wind", sagte Hannawald. Auch in Zukunft solle es daher beim Vermessen der Ausrüstung keinen Spielraum geben. "Ich sage inzwischen ganz klar: Bei einem Millimeter konsequent alle rausschmeißen. Damit wirklich ein Umdenken stattfindet", sagte der ehemalige Vierschanzentournee-Gewinner.
Bei der WM 2025 in Trondheim waren norwegische Betreuer bei der Manipulation von Sprunganzügen erwischt worden, der Ruf der Sportart hat seither gelitten. "Skispringen steht in dieser Saison weiter unter Beobachtung", sagte Hannawald.
Prevc ist der große Olympia-Favorit
Als besonders clever hob Hannawald derweil Weltmeister Domen Prevc aus Slowenien hervor. "Ein entscheidender Punkt ist, dass er seine Schuhe nicht komplett festbindet, was er aber noch nie gemacht hat. Dadurch steht er in der Luft mit der Ferse nicht voll auf der Sohle im Sprungschuh. Ich kann das natürlich nicht beweisen - es gibt kein Röntgengerät oder einen Scanner -, aber das ist meine Erklärung", sagte Hannawald über den Seriensieger.
Die Folge sei ein verändertes Flugverhalten. "Es zieht den Anzug in der Luft gewissermaßen weiter nach unten, was ihm ein anderes Schrittmaß generiert, als er es eigentlich haben dürfte. Das ist nicht verboten. Deshalb spreche ich ausdrücklich nicht von Betrug, sondern von einer cleveren Lösung, die lange niemand auf dem Schirm hatte. (...) Er betrügt nicht. Das ist eine Lücke im System, vergleichbar mit dem Diffusor in der Formel 1."
Prevc hat in dieser Saison elf von 20 Weltcupspringen gewonnen. Auch bei den Olympischen Spielen ist der Gewinner der Vierschanzentournee der große Favorit.